Reihen-Talk: Tribute von Panem

Meine Meinung zur mörderisch guten Erfolgsserie von Suzanne Collins – Ein ReRead


Ich weiß ehrlich gesagt nicht warum, aber irgendwie wurde ich aus heiterem Himmel mit dem Wunsch überfallen, dass ich die gesamte Reihe rund um das Land Panem und die Hungerspiele nochmal lesen sollte. Nicht falsch verstehen: Das war eine rein intrinsische Motivation aber verwirrend war es doch. Denn auch, wenn sicherlich jetzt einige vermuten könnten, dass es sich hier um einen Reiz durch die neue Verfilmung von Panem X handeln könnte, war das so gar nicht der Fall. Der Trailer hat mich nämlich so gar nicht gecatcht.

Nun ja, sei es wie es sei. Die Trilogie um Katniss hatte mich wieder direkt in ihren Bann gezogen, was ganz witzig ist, denn als ich die Reihe vor all den Jahren das erste Mal gelesen hatte, war ich zwar gefesselt aber irgendwie nicht überzeugt. Mittlerweile habe ich aber die Welt, die Suzanne Collins hier erschaffen hat wirklich in mein Herz geschlossen. Es ist schon spannend zu beobachten, wie sich ein Blickwinkel auf ein Buch ändern kann, wenn man es mit ein wenig Abstand nochmals bereist.

Eine Sache, die ich aber nach wie vor schade finde, ist das irgendwie das Überraschungsmoment manchmal ein wenig fehlt. Irgendwie wird einfach sehr schnell klar, welche Richtung das Geschehen einnehmen wird. Natürlich gibt es noch die kleineren Plottwists und auch die größeren, wie gewisse Tode von Charakteren, bei denen man es nicht zwingend erwartet hätte, aber die bereits am Anfang erwartete Richtung bleibt eingehalten. Ich hätte es zum Beispiel mega spannend gefunden, wäre Katniss am Anfang oder nach Rue „Trauerzeremonie“ gestorben und wir hätten die Geschichte dann aus Sicht einer Rebellin oder eines anderen Tributs weiterverfolgt. Wir hätten so viele weitere Eindrücke aus dieser grausamen Zukunftsversion der Vereinigten Staaten haben können. Und dies wäre ein Kniff gewesen, wie ihn die Jugendliteratur noch nicht gesehen hat. Vielleicht denke ich aber auch einfach nur zu makaber.

Dennoch ist die Stimmung und das WorldBuilding einfach grandios! Die Arenen haben diese kranke Mischung aus Faszination, Angst und Ekel auf die Menschen ausgelöst. Eine Gefühlsregung, die AutorIn auch erst einmal schaffen muss in mir zu wecken! Viele Charaktere wachsen einem recht schnell ans Herz, was gerade bei den Tributen schon auch psychologisch spannend ist, weiß man doch, dass man sicherlich nicht alle von ihnen lange beziehungsweise wiedersehen werden wird. Besonders toll fand ich in dieser erneuten Reise durch Panem Joanna und Finnick. Wirklich sehr gut gelungene Charaktere hat die Autorin hier geschaffen.
Der Krieg / die Rebellion in Teil 3 ist dann irgendwie so ein klassisches Reihenende. Gut aber auch irgendwie sehr vorhersehbar. Es werden einige Nebencharaktere gekillt, die aufzeigen in welch großer Gefahr eigentlich unsere ProtagonistInnen stecken.

Wie gesagt: Dennoch habe ich die Reise nach Panem wieder sehr genossen.
Bei der Vorgeschichte, Panem X, ist es lustigerweise gerade andersrum. Bei der erneuten Lektüre sind mir dann doch einige Längen aufgefallen und auch die Tatsache, dass Lucy Gray eher ein Nebencharakter als die Protagonistin ist. Ich finde den Blick aus der Arena raus einfach spannender als in die Arena rein.
Auch kommt hinzu, dass ich eigentlich erwartet hatte, dass wir in diesem Buch erfahren, warum Snow so wird, wie er eben wird, aber das wird in meinen Augen nicht ausreichend erklärt. Im Gegenteil eigentlich bekomme ich hier eine Geschichte gezeigt, die aufzeigt, dass er einfach psychisch instabil zu sein scheint. Denn nach den Verlusten, die er vor und in diesem Buch hinnehmen musste, hätte ein Rebell aus ihm werden müssen. Zumindest meiner Meinung nach.
Wie auch immer: Generell kann und muss ich auch dieses Mal sagen, dass die Lektüre viel Spaß im Großen und Ganzen gemacht hat und Panem zu Recht einen Platz in den Herzen so vieler Lesenden hat.

Natürlich freue ich mich jetzt nun auch auf den kommenden Band, der bereits in wenigen Monaten das Licht der Welt erblicken wird.


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